Tag 1: Warm up

Freitagnachmittag geht es in alt bekannter Manier mit dem Vereinsbus gen Süden über die Schweiz, wo wir in Martigny Peter von seiner 4000er Bergsteiger-Woche abends bei strömendem Regen einsammeln. Damit ist die Truppe mit Andi W. alias Mr. Buffet, Sebi unser Junior, Harry Bruchpilot, Meister Peter und Rennfahrer Martl komplett. Durch den strömenden Regen geht es dann nochmal über den S. Bernhard Pass hinunter ins schöne italienische Aostatal.
Trotz der unbeständigen Wettervorhersage lockt uns am ersten Tag bereits am Vormittag die Sonne aus unserer Unterkunft. Wir beschließen, doch unserem geplanten Programm treu zu bleiben und lassen uns in die Anhöhen von Aosta shutteln, von wo wir noch 700hm mit unseren Waden beim Pedalieren und Tragen dazulegen, um einen ersten Gipfelsieg zu feiern. Über einen weiteren Gipfel geht es dann direkt über eine Südflanke hinunter nach Aosta, wo wir mit einem breiten Grinsen und nach bayrischer Tradition unsere erste erfolgreiche Tour vorm Hotel abschließen.

Tag 2: Pila

Nach dem gelungen Gipfelauftakt lassen wir die lokalen Trails von den starken Regenfällen in den Tagen zuvor abtrocknen. Direkt aus Aosta heraus bringt uns eine Gondelbahn in den Bikepark von Pila. Dort wird zufällig an diesem Tag auch die italienische Downhill-Meisterschaft ausgetragen, sodass wir uns auf die wenigen nicht gesperrten Abfahrten verkriechen müssen. Schnell haben wir aber auch hier unseren Favourit gefunden: Die Talabfahrt, die uns abwechselnd technisch & langsam sowie leicht & schnell besonders viel Abwechslung und Spaß bringt. Der Meister hat Spaß auf seinem Vorderrad, der Junior beim Hinterher-Jibben, unser Mr. Buffet genießt die regelmäßigen Riegel- und Salamipausen im Lift, Bruchpilot Harry feiert seine Bikepark-Premiere und unser Racer versucht tunlichst dosierter mit der Hinterradbremse umzugehen. Nach insgesamt fast 5000 Tiefenmetern, den ersten Sätzen Bremsbeläge sowie einen gebrochenen Helm (keine Sorge, da ist der Schrecken größer gewesen als der Schmerz) feiern wir abends in den Gassen von Aosta diesen erfolgreichen zweiten Bike-Tag.

 

Tag 3: Col de Lausson

Der morgendliche Blick aus dem Fenster verheißt gutes für unser heutiges Vorhaben: klarer blauer Himmel und eine strahlende Morgensonne sind sicherlich die besten Zutaten, wenn auf dem Rezept 2000 Höhenmeter zum Tragen stehen. Beste Gelegenheit auch für einige von uns endlich die neuen Peakrider richtig lange unter Beweis zu stellen. Auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Tour stellen wir den Motorroller für später an unserem heutigen Endpunkt ab und fahren mit dem Shuttle eines der Seitentäler des Aostatals hinauf. Dort heißt es von Beginn an hoch mit den Bikes, um den gemächlich ansteigenden Weg aus dem Talboden hinaufzugehen und manchmal auch -zuschieben. Weiter oben eröffnet sich ein wunderbares Hochtal an dessen Ende der Col de Lausson mit seinen knapp 3300 Meter Höhe uns besonders zum Schluss alles abverlangt. Nachdem Meister Peter bereits knapp eine Stunde seine Fitness gefeiert hat trudelt nach und nach die verbleibende Truppe ein. Auf der anderen Seite erwartet uns von Beginn an eine schöne Abfahrt, wenn diese auch teils sehr ausgesetzt ist. In Höhe einer auffallend entspannten Truppe von Steinböcken entscheidet sich der GPS-Track aber nochmal dazu uns erneut 400 Höhenmeter per pedes nach oben zu schicken. Was bleibt uns da anderes über. Die Hoffnung, auf der anderen Seite des zweiten Passes einen genialen Trail bis hinab ins Tal fahren zu können ist zu groß. Oben am Sattel angekommen, werden wir als halbprofessionelle Superstars von italienischen Wanderern gefeiert. Die können es auch kaum erwarten sich an vorderster Reihe an der Felskante zu positionieren, um unsere Show mit Handy und Kamera zu verfolgen. Diverse Durchfahrten von Schneefeldern gefallen Martl besonders gut, so wie Peter und Sebi über einige der Felsbrocken trailen und mit ihrem Hinterrad und Vorderrad den Flow finden. Leider sucht sich auch unser Bruchpilot hier den einen Stein, den er unfreiwillig umarmen will. Folge seines jugendlichen Leichtsinns: Sein Handballen schmerzt, jedoch scheint alles noch intakt zu sein. Eine starke Belastung des Handballens ist jedoch nicht mehr möglich, sodass wir beschließen die Gruppe zu trennen. Meister und sein Junior fahren voraus, um den Shuttle mit dem Motorroller zurück zum Ankunftspunkt zu bringen. Unser Rennfahrer und Mr. Buffet hingegen versorgen den Patienten beim Bergabschieben mit Erfahrung, schlauen Sprüchen und Verpflegung. Die Abfahrt stellt sich als absoluter Wahnsinn heraus, auch wenn wir hin und wieder auf den schiebenden Harry warten und auflaufen. Endlich unten in der Talsohle angekommen, pedalieren die drei gemütlich (beglischer Kreisel wohl gemerkt bei zeitweise 50km/h) dann aus dem Tal. Perfekt abgestimmt, kommt die Truppe am Parkplatz zusammen, wo auch 5 Minuten später der Meister mit Crafter und Motorroller im Heck angeschossen kommt. Nach ersten akuten Verpflegungs-Maßnahmen beim Patienten mit gutem bayrischen Hopfentee, fahren wir trotz der Ereignisse wieder mit bester Stimmung zum Hotel. Dort lassen wir den Tag auf der Hotelwiese nochmals Revue passieren.

 

 

Tag 4: Grenzgänger in La Thuile

Alle Taschen verräumt im Shuttle fahren wir gen Westen in die direkte Nachbarschaft des Mont Blancs. Der dortige Bikepark La Thuile ist nicht nur ein Klassiker bei allen Bikeparkfans sondern ist am Wochenende zuvor wiederholter Austragungsort der Enduro World Series gewesen. Davon merkten wir aber nichts, als wir gemütlich mit der Seilbahn bis an den höchsten Punkt des Parks uns liften lassen. Unser Bruchpilot hat sich bereits am Vortag als Shuttlefahrer bereit erklärt, um seine Hand zu schonen. Oben angekommen geht es weiter zunächst pedalierend, bald aber auch schon tragend in Richtung französischer Grenze. Vorbei an verrostetem Stacheldraht und diversen Bunkereingängen klettern wir erneut auf einen knappt 3000 Meter hohen Gipfel. Von dort haben wir eine fantastische Aussicht in Richtung Mont Blanc Massif, das Gebiet Beaufortain sowie hinüber nach Tignes. Nach einem bayrischen Gipfeltrunk geht es auf französischer Seite hinunter ins Tal. Schnell erkennen wir dabei den hohen Stellenwert des Wintertourismus, denn der Wanderweg der uns nach unten bringen sollte, ist urplötzlich zu Ende. An dieser Stelle haben die Baumaschinen mit dem Weg kurzen Prozess gemacht. Über einige Freeride-Passagen finden wir aber irgendwann wieder zurück zum verbleibenden Weg weiter unten. Leider entpuppte sich dieser Trail, der sich von oben betrachtet perfekt durch die Landschaft schlängelte, als holpriges und anstrengendes Wegerl. Aber nicht nur die Kraft saugt uns die Abfahrt aus den Armen und Körper sondern auch die Lust, weshalb wir unseren Shuttlefahrer bitten uns weiter oben wie geplant einzusammeln.

Tag 5: Val d’Isère

Am Vorabend haben wir nach Ankunft in unserem neuen Hotel noch erfolgreich die neuen Teile, welche wir vor einigen Tagen noch bestellt und ins Hotel schicken lassen haben an den jeweiligen Bikes montiert. Mit frischen Facelift und vor allem neuen Helm für Martl geht es so Mittwochmorgens mit Crafter und Shuttlefahrer Harry hinauf in ein Seitental. Gemütlich pedalierend fahren wir eine Schotterpiste bis zum Talende an einen Stausee. Von dort ging es dann ruckzuck im Zickzack einen Wanderweg hinauf auf einen breiten Sattel, wovon wir eine herrliche Aussicht auf den gegenüberliegenden Nationalpark und die dazugehörigen Gletscherreste genießen können. Zum Bedauern von Mr. Buffet fällt die Pause nicht allzulange aus, um zur Mittagszeit wieder unten in Val d’Isère zu sein. Gemächlich abfallend schlängelt sich der Trail durch die grünen Almwiesen und bringt uns schnell aber mit zunehmend technischen Passagen hinab ins Tal. Genug Gelegenheiten, seine eigene Fahrtechnik bewusst zu verfeinern oder sich von der des Meisters das eine oder andere abzusehen.

Im Ort angekommen beschließen wir die zweite geplante kleine Tour für heute zu ändern, um keine Konflikte mit Wanderern zu bekommen. Da Harry immer noch mit seinem Handballen zu kämpfen hat erklärt er sich bereit uns hinauf zum Col de l’Iseran zu shutteln. Einer der höchsten Pässe der französischen Alpen, von wo wir fast 1000 Tiefenmeter auf einem der Weitwanderwege (GR) unter unsere Stollen nehmen können – und das ohne einen einzigen Höhenmeter bergauf. Klingt also nach einem perfekten Programmpunkt zum Entspannen nach den 4 Tagen auf dem Bike. Und so ist es dann auch. Sanftmütig begleitet uns der GR hinab ins Tal. Wieder mit genug Gelegenheiten Technik-Niveau und Fahrspaß zu erhöhen.

Tag 6: Chillout im Park

Aufgrund der labilen Wetterlage und der frühen Quellwolkenbildung um die Gipfel herum, legen wir die ursprünglich geplante Aktion einen Gipfel mit über 3500 Meter Höhe zu erklimmen auf Eis. Alternativ setzen wir uns morgens in eine der zahlreichen Seilbahnen des Skigebiets, um hinauf zu dem im Sommer betriebenen Bikepark von Tignes zu fahren. Dieser macht uns allen nach kurzer Eingewöhnung auch sehr viel Laune. Aber auch heute erleben wir wieder einen kleinen aber zum Glück harmlosen Zwischenfall: Helmbruch Nr. 2 nachdem unserem Junior „aus unerklärlichen Gründen“ das Hinterrad weggezogen worden ist. Glücklicherweise bleibt es beim Schrecken und einer erneuten Abfahrt ins Tal für den eifrig gefragten Ersatzhelm. Nach mehreren weiteren Abfahrten durch die vielen Anliegerkurven und spaßigen Bodenwellen beschließen wir gegen Mittag unser Chillout auf die Weiterfahrt zu unserem letzten Etappenort in Susa zu verlegen. Dank der bekannten Beschleunigungstaktik unseres Meisters sind wir bald auch auf dem kurvigen Weg gen Süden uns bestaunen dabei die beeindruckende Landschaft durch die sich der Crafter schlängeln darf.

 

Tag 7: Bikeklettern hoch hinaus

Auch dieser Morgen bringt Harry’s Handballen keine spürbare Besserung. Daher fährt uns wieder zum Ausgangspunkt ohne, dass wir später Gebrauch von dem deponierten Motorroller machen müssen. Die Anfahrt ist diesmal weit, da es um ein ganzes Gebirgsmassif geht, das wir vorhaben zu überqueren. Am Ende soll dann für einige von uns über 2200 Tiefenmetern im Rekordbuch stehen. Dazu müssen wir aber erst einmal hinauf. Weit hinauf. Nach ca. 15 Minuten gemütlichem Treten ist auch Schluss damit und die Peakrider oder Hook-a-bikes müssen zum Einsatz kommen. Nach genau einer Stunde gibt es die erste kühle Stärkung bei einer einsamen Hütte. Dessen Hütten wird hinterfrägt erwartungsgemäß interessiert unser Vorhaben. Er gibt uns diverse Tipps und auch Alternativrouten, da er denke, dass ein Aufstieg zum anvisierten Col d’Ambin nach dem schneereichen Winter mit den Bikes unmöglich sein würde. Ihm zufolge würden selbst der Großteil aller Wanderer vor dem letzten Anstieg Kehrt machen, da das Schneefeld, das sich in einer steilen Scharte befinden muss nahezu unpassierbar wäre. Wir versichern ihm, es uns ansehen zu wollen und nehmen nach einer gemütlichen Verschnaufpause wieder die Bikes hinter unsere Köpfe, um bis zum Lac d’Ambin aufzusteigen. Dort erklärt sich schnell beim Anblick der verschneiten Scharte, was der nette Hüttenwirt meinte. Nach 20 Minuten Aufstiegs-Strategie-Durchsprache und Vorbereitung der Ausrüstung folgen wir einem Wander-Päärchen, das sich auch den Col als Ziel vorgenommen hat. Die erste Querung des steil abfallenden Schneefelds gestaltet sich relativ einfach nachdem schon einige Tritte in den Schnee geschlagen sind. An der steilsten Stelle scheint aber die Variante über die benachbarten Felsblöcke zu klettern am sichersten. Schnell bilden wir mehrmals durch die Felswände eine 4er Kette, um die Bikes von Zwischendepot zu Zwischendepot durch die Felsen zu reichen. Nach den intensiven Kletterpartien ist bald der ersehnte Grat erreicht, von dem wir direkten Blick auf das kleine rote Schutzhäuschen am Sattel und somit unserem heutigen Ziel haben. Dort lässt sich die Steinbock-Familie von uns 4 sonderbar ausgestatteten Wanderern nicht beeindrucken. Die vom Tale aufsteigenden Wolken bewegen uns schnell dazu wieder aufzubrechen, um die Abfahrt in Angriff zunehmen. Mr. Buffet packt daher genauso schnell sein Essen wieder ein, wie er es ausgepackt hat und wenige Minuten später befinden wir uns tragends bergab in den nächsten Stufen, die ein wenig Kletterei erfordern. Nach  etwa 200 Tiefenmetern mit dem Bike auf den Schultern, ermöglicht der Weg uns zunehmend die Abfahrt auf den Pedalen zu bestreiten. Trial-lastig und fordernd in Konzentration und Körperbeherrschung finden wir 4 schnell sehr viel Spaß die engen Spitzkehren zu meistern und die Absätze souverän auf dem Bike zu überwinden. Der alte Steinbock, der sich das ganze aus nächster Nähe ansieht lässt sich davon nicht beeindrucken. Dagegen sind wir ziemlich von seinen langen Hörnern beeindruckt. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen wir leicht ermüdet an einer Hütte vorbei, wo wir uns nochmal mit Cola und anderen isotonischen Getränken uns für die zweite Abfahrtshälfte stärken. Die weitere Abfahrt ist leider nicht mehr so spektakulär wie zuvor, ist aber auch angesichts unseres Kraftpensums auch nicht weiter schlimm. Glücklich und zufrieden strampeln wir unten im Tal unserem Crafter entgegen, wo uns kühle Getränke die Feierlaune verpassen, die dann den ganzen Abend über anhaltend in der Gruppe herrscht.

Tag 8: Finale

Als letzte Tour steht nach dem fordernden Vortag eine etwas ruhigere Runde an, bei der wir uns mit dem Shuttle hinauf in die Mont Cenis Region shutteln lassen. Unser Bruchpilot kann auch heute seinen Handballen nicht vollständig belasten und auch unser Mr. Buffet fühlt sich nach den Strapazen etwas gerädert. Beide kümmern sich somit um den Shuttle, sodass der Meister, Junior und Racer zu dritt sich auf den Weg zum Col de Clapier machen. Das wunderschöne Hochtal lässt es sehr lange zu, dass wir gemütlich tretend in Richtung Pass fahren können. Am Pass ziehen erneut Wolken aus dem Tal herauf und auch hinter uns weisen erste tiefgraue Wolken auf einen kurzfristigen Wetterumschwung hin. Entsprechend zackig geht es weiter, ein kleines Stück nach unten und danach tragend wieder nach oben, um einen der Bergausläufer zu überwinden und um weiter Richtung Westen zu gelangen. Plötzlich erschaudert es in uns kurz, als ein erstes Donnergrollen hinter uns, uns mitteilt, dass wir nicht mehr viel Zeit hier oben haben. Nahezu im Lauftempo erklimmen wir die Grathöhe. Hinterhalb davon bringt uns ein alter Militärpfad zunächst weg von der aufziehenden Gewitterzelle und irgendwann auch in zahllosen Spitzkehren Tiefenmeter für Tiefenmeter nach unten. Auch wenn der Trail nicht sonderlich spektakulär ist, genießen wir noch ein letztes Mal das gemütliche Abfahren und die skurile Kulisse mit den aufsteigenden Wolken. Bald fällt der Weg sehr steil ab, sodass ein Lösen der Bremse fast unmöglich erscheint. Gefühlt schwindet so die Kraft aus den Armen genauso wie der Belag auf den Scheibenbremsen. Endlich unten in der Talsohle angekommen feiern wir alle drei, den Komfort einer leicht abfallenden Teerstraße. Wir sind definitiv am Ende unserer Kräfte.