Wieso, Weshalb, Warum? – Darum!

 

    

(Bayrischer) Saisonauftakt im Enduro-Renngeschehen

 

„Wieso war ich gefühlt ununterbrochen auf der Hinterradbremse, damals bei dem Endurorennen in den Vogesen Anfang März? – Wenigstens zu Ende gefahren, wenn auch mit Platz 74 nicht zufriedenstellend… Und weshalb musste das Innenleben meiner Pike genau am letzten Trainingstag für den Radon Epic Enduro ihr zeitliches segnen?… Das Rennen wäre so gut wie letztes Jahr geworden. Und warum stand der Fußgänger mitten auf Stage 2 beim Rennen in Belfort vor zwei Wochen? Ohne ihn hätte ich womöglich das Rennen mit intakter Hinterradfelge beenden können… Fragen ohne Antworten oder…“ Und plötzlich wird dieser Gedankenstrudel unterbrochen, da einer der benachbarten Enduro-Racer kein Gas für seine Bialetti hat. Selbstverständlich lade ich ihn auf eine Tasse aus meiner eben durchgelaufenen Kaffee-Kanne ein. Dadurch kommt mein Kopf auch wieder schnell zurück in die Gegenwart und zum heutigen Programm im fränkischen Frammersbach: Auftakt der Enduro-One Serie im Jahr 2017.

Der örtliche Motorsportverein hat hier für circa 500 Enduro-Begeisterten jeder Altersklasse einen Parcours mit 35km und 1000 Höhenmeter vorbereitet. Hier wird in 7 Stages um die beste Gesamtzeit gekämpft.

Am Tag zuvor konnten drei der sieben Stages im Rahmen des Trainings befahren und besichtigt werden. Auf einem Teil der 6. Stage wurde dann im Anschluss der Prolog ausgetragen der in die Gesamtzeit eingegangen ist und vor allem die heutige Startplatzierung festgelegt hat. Ich habe dabei Glück gehabt und bin sauber durchgekommen, sodass ich mit einem 5. Platz im Prolog meiner Kategorie zufrieden bin und somit auch zeitgleich mit meinem Enduro-Kollegen Erik am heutigen Renntag starten kann.

Wie bei allen Rennen der Enduro-One Serie ist der Zeitplan verhältnismäßig entspannt, sodass ich noch am Morgen des Renntags genug Zeit hatte den Semislick-Reifen am Hinterrad durch einen Profilreifen zu tauschen. Es hat über Nacht etwas geregnet und somit sollten die ohnehin feuchten Strecken etwas rutschiger als gewöhnlich sein.
Die Zeit rennt dann aber doch immer dahin, sodass ich mich sehr bald mit Erik auf unseren Bikes auf dem Transfer zur Stage 1 befinde. Die Spannung was uns wohl hier erwartet ist vor allem zur ersten Stage bei jedem Rennen groß. Das flache Stück der ersten Meter die vom Start einsehbar sind, lassen auf „etwas“ Treten schließen. Und dies sollte auch das Hauptmotto der ersten beiden Stages sein. Ab und zu geht es dabei links oder rechts den Hang hinauf aber ansonsten fahrtechnisch nicht anspruchsvoll dafür besonders fordernd für die Waden. Der Grip dabei ist überraschenderweise gut. Letzterer ist dann auch in Stage 3 hervorragend, wo eine frisch abgesteckte Strecke über moosigen Waldboden im ständigen Wechsel zwischen perfekt abgesteckten Kurven und natürlichen Bodenwellen den Racer talwärts führt. Mit einem breiten Grinsen wird nach dem Transfer-Uphill auch die Stage 4 bewältigt, wobei mich hier zwei gröbere Patzer wertvolle Sekunden kosten. Vorbei an der Verpflegungsstation, wo die lustigen und amüsanten einheimischen Damen des Vereins für unser leibliches Wohl sowie gute Laune sorgen. Die letzten drei Stages sind nun kein Neuland mehr, da ich sie gestern jeweils zweimal abgefahren bin. Nach Stage 5 kämpfe ich aber ein wenig mit der Müdigkeit, die mich nach der schlafarmen Woche nun versucht vom Bike zu ziehen. Aber nach ein wenig Energiezuvor und Selbstmotivation starte ich soweit es geht mit Vollgas in die 3 Minuten Sprintstrecke der ersten Hälfte von Stage 6. Als ich dann in den Teil einbiege, der am Tag zuvor im Prolog abgefahren worden ist, fühle ich mich so langsam als würde jemand 10kg Steine an mein Bike gehängt haben. Aber als die Stage endlich ins Gefälle taucht, verliere ich ganz schnell dieses Gefühl und komme mit großer Erleichterung ins Ziel dieser vorletzten Stage. Nur noch einmal nach oben, um dann die letzte gesteckte Abfahrt auf der örtlichen Skipiste in Stage 7 in Angriff zu nehmen. Zwar finde ich in einigen Kurven dieser letzten Abfahrt nicht die Ideallinie, jedoch sorgen die kleinen Sprünge für Spaß und Flow bis ins Ziel.

Am Ende des Tages reicht es für den sechsten Platz in meiner Kategorie und ich fahre mit großer Erleichterung über das Ausbleiben jeglicher Defekte und zusammen mit Erinnerungen an ein spaßiges Wochenende wieder zurück in mein schwäbisches Domizil. Die Frage nach Wieso, Weshalb, Warum sollte man ohnehin sofort immer mit einem Wort beantworten: Darum!

Nächster Enduro-Auftritt ist dann Ende Mai nahe der bayrischen Heimat, in Aschau im Chiemgau.

euer Martin