We are Heroes! Auf der Sella Ronda

    

Lange schon stand die Sella Ronda auf meiner MTB-To-Do-Liste. Und nun sollte es Mitte Juni endlich soweit sein.
Anreise Freitag Nachmittag direkt nach der Arbeit lief problemlos. Dank super Wegbeschreibung von Edwin war der Parkplatz in Wolkenstein schnell gefunden. Bike ausladen, die (viel zu schwere) Tasche auf den Rücken gepackt und die ersten ca. 200 HM des Wochenendes unter die Stollen genommen. Oben erwartete mich der andere Teil der Gruppe (als da wären Uwe und Bianca, Martin, Dr. Sommer und natürlich unser Guide Edwin) schon gemütlich bei Bier und Wein in der JUAC Schutzhütte oberhalb von Wolkenstein. Ein absoluter Geheimtipp! Ich gebe zu, als es hieß, wir übernachten in einer Schutzhütte, dachte ich an: kein warmes Wasser, kaltes Bett, Dosenfutter. Aber weit gefehlt. Die JUAC Schutzhütte ist super ausgestattet: nette Mehrbettzimmer, heißes Wasser, tolle und dank Kachelofen warme Stube, leckeres Essen.

Für Tag 1 hatte Edwin eine schöne Tour rund um Wolkenstein und die Seiser Alm ausgesucht. Das Wetter meinte es in der Früh richtig gut mit uns und so starteten wir voll motiviert nach einem tollen Frühstück. Die 20km lange Auffahrt über Forstwege, Trails und Wiesen zur Seiser Alm nahmen wir dank Wetter und gefüllten Energiespeichern locker unter die Reifen. Immer wieder hatten wir Blick auf die umliegenden Gipfel: Langkofel, Plattkofel, Santnerspitze. Das Ganze dann gespickt mit grünen Almen und gefleckten Kühen – perfekt ist die Alpenidylle.
Zur Einkehr Mittags auf der Laurinhütte bei Suppe, Kaffee und Apfelstrudel konnten wir auch noch draußen sitzen. Jedoch zeigte sich hier schon, dass das Wetter nicht mehr lange halten würde. Über dem Langkofel türmten sich schon die Wolken. Und so kam es, wie es kommen musste: gegen 13 Uhr fing der Regen an. Da hieß es: alle Mann (und Frau) wasserdicht verpacken und weiter. Wie hatte Edwin erst auf dem letzten Lehrgang gelernt: Lenker, locker und lächeln!
Der weitere Weg führte uns auf die Strecke der am selben Tag stattfindenden Sella Ronda Hero. Enorm, was die Jungs da leisten! Wir durften sie ca. 5km lang begleiten und somit auch ein wenig Rennluft schnuppern. Ehrensache, dass wir sie mit Anfeuerungsrufen und auch von hinten schiebend unterstützen. Über einen Wechsel aus Trails und Forstwegen erreichten wir nach 40km und 1400 HM Wolkenstein. Nun standen „nur“ noch 4km und ca. 400 HM bis zur JUAC Hütte an.
Endlich an der Hütte angekommen erwarteten uns neben Wasserschlauch und Trockenraum vor allem die warme Stube, ein tolles Abendessen und noch das ein oder andere Bierchen, bei dem es sich hervorragend fachsimpeln lässt.

Tag 2: Wolkenverhangener Himmel, ca. 10 Grad – aber – trocken, zumindest noch. Auf geht’s auf unseren ersten Gipfel mit Unterstützung: auf die Bergstation Dantercepies auf knapp 2.300müNN. Oben ist es schon recht kühl, aber mit der entsprechenden Kleidung geht es. Nun folgen eine kurze Schotterstraße, dann Wald- und Wiesentrail hinunter zum Grönderjoch und dann weiter in den Ort Corvara. Immer wieder haben wir Blick auf die Asphaltpassstraße, auf der sich die Rennradler tummeln. Da heute Bike Day ist, sind es 1. Mehr Rennradler als sonst, 2. Keine Autos unterwegs und 3. Entertainmentprogramm längs der Strecke. Uns so werden wir auch prompt vom Alleinunterhalter in Corvara interviewt, was über die Lautsprecher direkt in die Menge übertragen wird.
Von Corvara trägt uns die nächste Gondel hoch zum Col Alto und dann zum Prolongia hoch. Der dortige Höhenweg ist wirklich ein Schmankerl mit toller Aussicht in Richtung Dantercepis und auf Corvara. Wir nehmen uns die Zeit für Fotostopps. Und noch ist auch das Wetter toll. Die Vorhersage prophezeit allerdings für ab Mittags wieder Regen. Und bislang hatte sie immer Recht. Hinab über den Passo Campolongo geht es über Trails, Wiesen und Forstwege nach Arraba hinunter. Vor allem der letzte Abschnitt fordert technisches Fahrvermögen. Wir rumpeln über grobes Geröll gen Tal. Gorilla ist hier angebracht: breite Arme, O-Bein Stellung und tief gehen, damit der Druck am Vorderrad nicht abreißt. Unten in Arraba wird die eigentlich geplante Cappuccinoeinkehr angesichts der Masse an Rennradlern, die sich dort sammelt, auf später verlegt und es geht direkt zur nächsten Aufstiegshilfe, die uns zur Porta Vescovo auf nunmehr über 2.500müNN bringt. Das leider wolkenverhangene Panorama auf die Marmolada genießen wir nur kurz, treiben uns Wind und Kälte doch wieder in die Bewegung aufs Bike. Nun folgt einer meiner Highlights: ein schöner Trail, der sich leicht wellig am Berg entlang in Richtung Passo Pordoi schlängelt. Habe ich schon erwähnt, dass ich es liebe, technische Trails bergauf zu fahren? Also ich liebe es! Von hier folgt ein weiterer Trail gen Tiefe. Mittlerweile regnet es wie angekündigt, aber gut eingepackt kann uns das nicht viel anhaben. Der Trail schlängelt sich erst parallel zur Passstraße und zweigt dann ab. Im mittleren Bereich ist er zumindest für uns nicht fahrbar, da der Boden durch den Hero vom Vortag total verschlammt ist. Rutschend bewegen wir uns mit zeitweisem Bodenkontakt weiter, und sind tatsächlich mal froh, als der Trail zu Ende ist und die Schotterstraße beginnt.
Schon kommen wir im letzten Ort vor dem Ziel an: Canazei. Malerisch liegt der Ort zwischen den Felsspitzen. Auf zur letzten Gondel zum finalen Sella Joch. Oben – es hat wieder nur 6 Grad – geben wir unseren körperlichen Bedürfnissen endlich nach und suchen die Gipfelhütte auf. Nicht nur der knurrende Magen, auch kalte Finger verlangen nach Nahrung und Wärme. Dank massiver Müllsäcke dürfen wir mit unseren Schlamm starrenden Klamotten sogar in der Gaststube auf Stühlen Platz nehmen und machen uns über Gemüsesuppe, heiße Schokolade und Sachertorte her. Was so ein bisschen Essen und Wärme ausmachen! Gestärkt und wieder voll motiviert nehmen wir die letzten 10km unter die Reifen. Und die sind nun wirklich das Sahnehäubchen: durch den so genannten Steingarten schlängelt sich der Trail gen Tal. Bäume, Felsen und Wiesen sehen aus wie vom Landschaftsgärtner sorgfältig drapiert. Darüber ragt die Wand des Langkofel meterweit in den Himmel. Das sind die Augenblicke, die uns jedes Wochenende erneut auf das Mountainbike treiben. Und das sind definitiv auch die Augenblicke, die man auf dem Rennrad unten auf der Asphaltstraße nicht erleben wird.
Nach knapp 60km, gut 600HM selber treten und 8h kommen wir wieder am Auto an. Wir sehen zwar aus wie Sau (wie man in meiner Heimat, dem Ruhrgebiet sagt), aber sind super glücklich, die Sella Ronda gemeistert zu haben. Auch wenn wir keine Startnummer am Bike hatten: Wir fühlen uns wie Heroes!

 

    

 

3 Kommentare
  1. Thomas
    Thomas sagte:

    Tolles Wochenende. Dolomiten sind einfach großartig. Super Trails und einzigartiges Panorama.
    Freu mich schon auf ein Wiedersehen event, im August.

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