Trauminsel im Atlantik

    

Tag 1

Es geht los, 3355km per Flugzeug, Taxi, Fähre und Mietwagen bis zu unserem Ziel. Die Vorfreude auf den lang ersehnten Urlaub ist groß und wir hoffen, nicht enttäuscht zu werden. Treffpunkt ist am Flughafen München, aber für so ein Ziel steht man gern früh auf und nimmt die lange Reise in Kauf.

 

 

 

 

Nach dem Eincheck-Prozedere dürfen wir den ruhigen Flug genießen und auch die Landung auf Teneriffa überstehen alle ohne Probleme. Der Taxitransfer zum Hafen wartet schon auf uns, wir müssen schließlich unsere Fähre erwischen. Die gehen nämlich nur drei mal am Tag und mit dem ganzen Gepäck nochmal 5 Stunden warten muss nicht sein. Auf der Fähre dann der tolle Ausblick zurück auf Teneriffa, leider sieht man wegen dichtem Sahara Staub den höchsten Berg Tenerriffas – den Teide nicht. Auf See bekommen wir die lang gezogenen Atlantikwellen zu spüren, die Fähre ist nicht gerade klein doch die Wellen werfen uns ganz schön hin und her!

La Gomera ist in Sicht und das Wetter super, unsere Mietwagen stehen bereit und wir fahren einmal quer über die Insel. Zahlreiche Aussichtspunkte lassen uns immer wieder anhalten und die Stimmung ist genial. Den 5. Gang und Geschwindigkeitsbegrenzungen hätten sich die Spanier hier aber wirklich sparen können, es ist ein ewiges Gekurve und wir erreichen nur 50 km/h Höchstgeschwindigkeit.

 

 

 

 

Auf dem Bike ist auf Gomera auch nicht an schnelle Trails zu denken: das Gelände ist etwas für technisch versierte Mountainbiker. Jedenfalls, wenn man alles auf kleinen Trails bis zum Meer hinab fahren will, sollte man keine Angst vor steilen Stufen haben und das Hinterrad versetzen beherrschen. La Gomera hat eine einzigartige Vegetation: oben auf der Insel befindet sich der mysthische Nationalpark Garajonay mit seinem Regenwald. Farne und Flechten an den Lorbeerbäumen zeigen, dass  es in diesem Gebiet wohl häufig nass und nebelig ist.

 

 

 

 

Tag 2

An unserem ersten Biketag haben wir Glück: es ist nicht bewölkt und auch weiter oben ist außer dem allzeit herrschendem Passatwind top Wetter. Drei Trails schaffen wir heute auf der Westseite der Insel. Anfangs rollen wir auf einer breiten Forststraße, bis wir nach einem kleinen Dorf an die Kante des Berges kommen. Der Blick nach unten macht uns nachdenklich: da sollen wir runter kommen? Doch es funktioniert besser als gedacht. Auf Gomera sind fast alle Wege angelegt und wir können sehr viel fahren.  Hier nochmals herzlichen Dank an Veronika für die Bereitstellung einiger Tracks, die wir gefahren sind. Krass – das hören wir die Tage öfters – zahlreiche Schluchten und Täler und tausende schwierige Wanderwege, die auf uns warten. Gefühlt ändert sich nach jeder Ecke die Landschaft…diese Insel ist etwas besonderes! Unsere anfängliche Planung müssen wir über den Haufen werfen; alles dauert hier etwas länger als gedacht.

 

 

 

 

Tag 3

Was für die einen in den Alpen gerade den Kitzel ausmacht, ist für andere wiederum hinderlich: die schwierigsten Stellen sind im bayerischen Raum normalerweise in Gipfelnähe. In Gomera ist das genau umgekehrt. Uns kommt das entgegen, erst flowig „einfahren“, dann geht´s ans technische Biken. Außerdem hat sich schlechtes Wetter rund um die Inselspitze gebildet und wir fahren erst ab 700 HM bis auf null hinunter. Auf der Südseite zeigt sich die Kanareninsel wieder von ihrer besten Seite und es geht auf trockenen Wegen bis hin zum Meer. Unsere Unterkunft befindet sich in Valle Gran Rey auf der Ostseite. Die letzte Abfahrt des Tages planen wir uns so ein, dass wir direkt bis zu unseren Apartements fahren können.

 

 

 

 

Tag 5 & 6

Wieder tolles Wetter und die Erkenntnis: hier leben ja noch richtige Aussteiger! Und zwar gar nicht so wenige; gefühlt besteht der Tourismus der Insel aus 50% Hippies und 50% Rentnern… Am Strand wird abends getrommelt und es geht sehr beschaulich zu. Wer Kultur oder einen Partyurlaub sucht, wird hier nicht fündig werden. Für sportliche Individualtouristen ist La Gomera jedoch ein Geheimtipp. Die Strände mit ihrem schwarzen Lavasand sind nicht überfüllt, keine Strandmuscheln oder Liegen versperren die Sicht. Restaurants gibt es in den etwas größeren Dörfern genug und es ist für jeden etwas dabei.

 

 

 

Tag 7 & 8

Wir entschließen uns, nochmals einige der schwer eingestuften Trails zu fahren. S3 kann hier wirklich als „flowig“ beschrieben werden… Da wir Richtung Norden durch die Wettersituation eher weniger gefahren sind, probieren wir es erneut. Bis zum Strand werden wir im Wind und bei 20° Grad schon trocknen.

 

 

Tag 9

Der letzte Tag – wir starten nochmals einen Versuch in Richtung Norden. Das Wetter ist dieses Mal relativ gut, ausnahmsweise kaum Wind und es regnet nicht. Die Treppen sind leider immer noch rutschig und erschweren die Abfahrt. Im Vergleich zu den anderen Trails sind wir heute richtig zackig unterwegs und wir lassen es nochmal krachen. Die Beine sind nun aber auch beim Letzten schwer und müde, deswegen geht es nachmittags an den Strand -den Luxus muss man sich hier wirklich gönnen.

Tag 10

Nach der Entschleunigung des Alltags von dem Inselleben kommt uns der Flughafen in Teneriffa wie ein Irrenhaus vor – Frauen in hochhakigen Schuhen klappern, überall Werbung, Konsumgeschehen weit und breit. Der Ausflug in eine andere Welt ist vorbei. Aber das wird nicht unser letztes Mal sein – La Gomera lässt einen zum Wiederholungstäter werden.

 

 

 

 

 

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