Ostereiersuche in der Sonne

Ostern – vier Tage umsonst frei. Das muss genutzt werden! Vier Tage biken, ein wenig entspannen und gerne noch das ein oder andere Osterei finden – so der Plan. Die Trails sollten noch nicht allzu schwer sein (die Saison beginnt ja gerade erst) und ein bisschen Konditionstraining durch selbst erradelte Gipfel sollten es sein. Und – wichtig – bitte keinen Schnee, kein kaltes Wetter mehr. Mit diesen Parametern ausgestattet gingen wir an die Suche und wurden rasch fündig: wie so oft sollte es nach Italien gehen.

Und so klingelte am Freitag für den einen der Wecker erst um 4.25h, für den anderen schon um 3.30h und es machten sich die ersten beiden wackeren Biker auf den Weg in der Dunkelheit ins Licht. Das frühe Aufstehen wurde mit Cappuccino, Croissant und der Gondel schon um 9 Uhr belohnt.

An Tag 1 standen 2 Trails auf dem Programm, die mit Gondelunterstützung und nochmals jeweils 600HM selber treten erreicht wurden. Trotz Osterfeiertage waren die Wege überraschend leer – zumindest am Berg. Im Tal bei der Mittagseinkehr dann treffen wir auf andere Radler aller Colour: Körbchenfahrrad, E-Bike, Radelanhänger mit Nachwuchs – bei dem Wetter treibt es alle raus. Nach Kaminwurzn, Latte Macchiato und Cola für den Zuckerhaushalt machten wir uns auf, die zweite Abfahrt unter die Stollen zu nehmen. Wir nutzten diese auch, um unser Setup nochmals feinzutunen. Das ist das Tolle an so einer langen-Wochenend-Aktion: Man kann nicht nur sich selber wieder an Wurzeln, Steine, Steilstufen und Spitzkehren gewöhnen, sondern auch am Setup feilen. Das Feedback von Abfahrt 1 des Tages fließt direkt in die zweite ein.

Tag 1 krönten wir dann mit einer menschenleeren Sauna im Hotel und dem ein oder anderen Bier.

An Tag 2 wollten wir einen neuen Trail unter die Räder nehmen. Nach ausgezeichnetem Frühstück und Bikecheck lösten wir erneut das Gondelticket, um fahrend und tretend die 2.000m üNN zu erreichen. Die Querung mussten wir leider per Forstautobahn bewältigen, da der Höhentrail noch mit Eisplatten und Schneefeldern gespickt war. Der Trail war jedoch aller erste Sahne und wir von uns garantiert noch das ein oder andere weitere Mal auf der Liste stehen.

Tag 3 erhielt unser Zweierteam dann Unterstützung von unseren Kollegen, die Samstags noch arbeiten mussten. Zu viert und später zu sechst (wir haben tatsächlich noch zwei weitere Vereinsmitglieder mehr oder weniger zufällig aufgegabelt) ging es auf unsere persönliche Königsetappe: 1700HM selber treten – zuerst bei 25 Grad und Sonne, später bei bewölktem Himmel und nurmehr 11 Grad (ja, es ist halt erst April) erklimmen wir den Gipfel, der mit einer geöffneten Hütte aufwartet. Aufgewärmt und gestärkt geht es in den Trail: gefühlt 100 Spitzkehren, die zu Beginn noch sehr steil und eng, später weiter und flacher, einladen, das Versetzen zu üben. Vom Ehrgeiz gepackt werden die Schlüsselstellen mehrfach genommen, bis sie wirklich sitzen. Die Kollegen geben Tipps, feuern an und machen den Fotobeweis. Ein perfekter Tag geht mit Sauna, Pizza und Wein zu Ende.

Tag 4 wird dann für den ein oder anderen zur mentalen Herausforderung: erneut 1700HM selber treten, diesmal zieht sich der Weg jedoch ewig. Oben herrschen bei Wolken und ordentlichem Wind nur noch 6 Grad. Wir packen uns mit allem ein, was im Rucksack steckt und machen uns auf den Weg nach unten. Im oberen Bereich wird wieder die mentale Stärke gefordert, da der Trail super schmal und ausgesetzt an der Kante des Kammes entlang führt. Aber wir haben Zeit und lassen es ruhig angehen – wir wollen ja noch bis November auf den Rasten stehen. Im unteren Bereich wird es wieder flowig und hält das ein oder andere Schmankerl bereit. Unten spuckt uns der Trail im Ort aus – ich komme mir vor wie ein Weltraumfahrer, der nach Jahren der Isolation wieder auf die Zivilisation trifft.

Geschafft sitzen wir im Auto auf dem Weg nach Deutschland. Es soll schneien. Können wir kaum glauben. Wehmut überfällt mich. Und die tiefe Freude und Zufriedenheit, die die Tour in mir ausgelöst haben. Was kann es besseres geben, als ein Wochenende mit guten Freunden auf dem Bike? Sport, Herausforderung, Kameradschaft, gutes Essen, Wein und Bier aus Jochens Privatbrauerei – perfekt nenne ich das.

Ach ja, Ostereier haben wir auch gefunden – beim Frühstücksbuffet.