Lago die zweite – willkommen im Herbst

Man kann die Augen nicht davor verschließen – der Sommer neigt sich dem Ende. Aber noch sind auch ausgedehnte Tagestouren möglich. Denn die Sonne verabschiedet sich erst gegen 19 Uhr und das Thermometer erreicht doch in der Regel noch zweistellige Ziffern. Das Ganze in Kombination mit dem langen Wochenende, welches uns die deutsche Wiedervereinigung schenkt, will natürlich genutzt werden.

Die erste Herausforderung stellt jedoch die Wahl des Ortes. In vielen Teilen Europas soll es regnen – teilweise richtig viel. Nach einiger Konsultation der diversen Wetterstationen und Brainstorming bzgl. möglicher Trails fällt die Entscheidung auf den Gardasee. Halbwegs stabile Vorhersage plus recht hohe Temperaturen plus kurze Anreise plus verfügbare Unterkunft plus gute Ortskenntnis machen den Plan perfekt.

Mitten in der Nacht klingelt Samstags der Wecker und es geht los. Michi fährt uns durch die Nacht gen Süden. So gelangen wir schon um 10 Uhr an unser Ziel. Das Auto parken wir direkt an unserem Hotel, laden die Bikes aus, füllen Wasser in die Trinkblasen und treten los. 1300HM später erreichen wir unser heutiges Ziel – den Pass. Oben ist es nebelig bewölkt, aber noch recht warm. Wir gönnen uns einen Cappuccino und betrachten die anderen Biker. Wir haben beim Aufstieg schon so viele Biker gesehen, wie sonst an einem ganzen Wochenende nicht. Aber es ist wirklich nett, sich die Radel der Kollegen anzuschauen oder den ein oder anderen Techniktipp geben zu können.

Bergab geht es eher flowig mit nur wenigen Schlüsselstellen durch den Wald. Auf halber Höhe gabeln wir drei Biker aus dem Raum Rosenheim auf und nehmen diese kurzerhand in unser Schlepptau. Vor allem der Tipp, den Sattel komplett einzufahren wirkt wie ein Aha-Erlebnis.

Am Seeufer angekommen genießen wir unser Bier mit unseren neuen Freunden und fachsimpeln noch bis der Hunger und die Aussicht auf eine warme Dusche zum Aufbruch drängen.

Tag 2 erwartet uns wie die Vorhersage angekündigt hat mit Regen. Eher mäßig motiviert sitzen wir beim hervorragenden Frühstück. Wir beschließen, zumindest die ersten 600HM zu treten und dann je nach Wetter zu entscheiden, was wir den Rest des Tages machen. Zum Glück verzieht sich der Regen schnell und lässt nur feuchte Luft zurück. Somit steht die Entscheidung bis zum Rifugio weiter zu treten. Je weiter wir aufsteigen desto schlechter wird die Sicht. Wir beißen uns durch und werden oben mit einer fast leeren Hütte, einem warmen Ofen, leckerer Pasta und Bier belohnt. Angesichts des Wetters entschließen wir uns, die geplante Abfahrt auszulassen und den vermeintlichen Kiesweg abzufahren. Dieser entpuppt sich jedoch als netter, flowiger aber stellenweise wirklich verblockter Trail, der uns 1600 Tiefenmeter später wieder am See ausspuckt.

Tag 3 – das Wetter ist super. Die Wolken haben sich verzogen und die Sonne blinzelt uns an. Wir haben heute einen weiteren Gipfel vor Augen. Der höchste an unserem Teil des Sees mit knapp 2000m Höhe. Die Hütte oben ist der komplette Kontrast zum Vortag: dank Wetter total voll und laut. Unsere Rast fällt entsprechend kürzer aus und wir stürzen uns in 2000 Tiefenmeter Abfahrt. Der Trail ist wirklich nicht ohne – durchgehend S3 mit S4 Schlüsselstellen. Der Gardasee ist definitiv kein Anfängerrevier! Das besondere heute ist die geniale Sicht auf den See tief unter uns. Wir genießen die Abfahrt, die hohen langen Felsstufenpassagen, tiefe, rutschige Schotterstücke und flowig Wurzelteppiche. Unten betrachten wir die Bikeszene im Toplokal direkt am See und wundern uns ob der ein oder anderen Panzerung der anderen Biker.

Tag 4 ist leider auch der letzte Tag. Ein letztes Mal laden wir unsere Energiespeicher voll und treten los. Ein Klassiker soll es heute sein. Doch der befürchtete Ansturm auf den Trail bleibt aus. Wir kurbeln alleine die Straße zum Traileinstieg auf ca. 1000m Höhe. Oben ist es dank Wind doch wieder recht kühl, also legen wir nicht nur die Schoner an, sondern ziehen noch eine Jacke drüber. Der Trail selber ist wieder durchaus anspruchsvoll. Leider bleibt daher wenig Zeit, um die tolle Aussicht auf den See zu genießen. Unten gibt es einen letzten Cappuccino, bevor wir die Bikes einladen und uns auf den Rückweg machen.

Dank Michi können Jochen und ich uns entspannen und ein Nickerchen einlegen. Deutschland empfängt uns zwar trocken, aber kalt. Winter is coming…

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