Mitte September zog es uns mal wieder in unsere gefühlte zweite Heimat nach Bella Italia. 5 Tage Biken versprachen viel Zeit für Trails, Aussicht, Birra und Pizza.

 

 

Am Mittwoch Nachmittag ging es bei allerbestem Sommerwetter mit unserem weißen Monster – aka Crafter – gen Süden. Zur Abwechselung mal ohne Stau erreichten wir nach 4,5h Fahrzeit unser Hotel. Peter hatte mal wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl, wir wurden vom Chef des Hauses sogar auf Deutsch begrüßt. Die Küche war auch noch offen, so dass die hungrigen Reiseteilnehmer noch ein Abendmahl einnehmen konnten.

Am ersten Biketag ging es früh nach einem guten Frühstück, welches wir uns mit einer Gruppe Rennradler teilen mussten (der arme Koch kam kaum mit dem Rührei-Zubereiten nach) auf den ersten Pass des Tages. Der entspannten Autofahrt folgten weitere ca. 500HM tragen. Hier war Teamgeist gefragt, da wir eine Schlüsselstelle nur mit Bike-Hochreichen überwinden konnten. Auf über 3.000m angekommen machten wir erstmal eine Pause und genossen die Aussicht auf den bevorstehenden Trail. Dieser enttäuschte uns nicht: zuoberst hochalpin-feslig suchten wir den Weg entlang der rot-weißen Markierungen. Anschließend ging der Pfad erst in einen alten Militärweg und dann in einen Wiesentrail über, der einiges an Kehren für uns bereit hielt. Im untereren Teil dann tauchte er in den Wald hinein und führte uns über Wurzeln und Waldboden flowig zum Auto.

Zwischenzeitlich hatte es sich ordentlich zugezogen, aber noch war es trocken. So ließen wir uns von Peter und dem Crafter wieder den Pass bergauf fahren, um erneut oben auszusteigen. Kurzer Bikecheck, noch einen Riegel in den Rucksack und los gings. Diesmal ohne tragen zunächst parallel zur Passstraße fast eben bis leicht ansteigend. Der Spaß ging dann richtig los, als der Trail sich in einem Taleinschnitt neben einem kleinen Bächlein wirklich nach unten stürzt. Nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht zirkeln wir um Steine, über Wurzeln und versetzen fleißig das Hinterrad in den Spitzkehren. Leider erwischt uns nach ca. der Hälfte der Regen – und zwar sturzbachmäßig. An Fahren ist kaum mehr zu denken, wir rutschen, schieben, fluchen bis wir endlich nach gefühlter Ewigkeit und komplett durchnässt den Ort erreichen, wo der Crafter an einer überdachten Brücke auf uns wartet. Klamotten aus und rein in den Plastiksack, ab ins Auto und nur noch unter die heiße Dusche. Diese und die große Pizza bringen unsere Lebensgeister wieder zurück.

Tag 2 – gleiches Prozedere beim Frühstück, jetzt noch verschärft durch eine Busreisegruppe. Die bewegen sich zwar den Tag über kaum, essen aber mindestens so viel wie die Rennradler.

Wieder geht es mit Motorunterstützung zum Pass. Nun steht eine Kammquerung mit anschließender Abfahrt an. Wetter passt, das Panorama, aber auch der konditionelle Anspruch auf den letzten Höhenmeter (standesgemäß tragend zu meistern) rauben den Atem. Oben dann Gipfelfoto, Riegel, Schoner, Jacke und los gehts. Die Anstrengung wird durch eine tolle, endlos scheinende Abfahrt belohnt, die uns direkt im Ort wieder frei gibt. Das Erlebte wird natürlich am besten in der Bar an der Piazza Centrale verarbeitet.

 

Tag 3 bricht nach nächtlichem Regen mit strahlender Sonne an. Heute wollen wir einen MTB Klassiker unter die Stollen nehmen. Rauf auf den Pass, kurze Passage rauf pedailieren in den Einstieg und schon kann es losgehen. Auch hier auf fast 3000müNN ist das Panorama auf die umliegenden Berge der Wahnsinn, der uns immer wieder zum Anhalten zwingt. Die Spitzkehren sind gerade steil genug, nicht zu ausgesetzt und meist ausreichend grippig, so dass jeder ausgiebig üben kann.

Wie immer klappt das Aufsammeln mit dem Crafter einwandfrei, GPS sei dank. Wir fahren zum nächsten Drop Off und schaffen die Gondel vor der Mittagspause. Oben an der Hütte beratschlagen wir uns: eigentlich sollte es nun, von knapp 2600müNN direkt auf dem Trail wieder ins Tal gehen. Doch das Wetter ist super, kein Schnee, T-Shirt Temperaturen und wir haben die frühe Gondel bekommen. Somit entscheiden wir, noch bis zum Joch auf über 3.000 aufzusteigen und einen alternativen Trail zu nehmen. Der Crafter wird auch noch mit den neuen Koordinaten des Pick ups versehen und schon starten wir nach entspannter Mittagspause gut gestärkt zum Joch. 600HM tragen und schieben, diesmal aber ohne Schlüsselstelle vergehen rasch und schon können wir die Abfahrt angehen. Diese zeigt sich zu Beginn durchaus herausfordernd, wird dann aber wundervoll flowig, um zum Ende hin wieder etwas mehr Anspruch mit Wurzeln, Steinen und Steilstufen zu haben.

Zufrieden erreichen wir die Bar am Pick up und können dem Einkehrschwung nicht widerstehen. Im letzten Licht des Tages erreichen wir unsere Pension. Turbodusche, denn es gibt nur noch 20 Minuten warmes essen.

Tag 4 und damit der letzte Tage. Der Crafter bringt uns zuverlässig den Pass hinauf. Ein letztes Mal für diese Tour packen wir die Bikes aus, wechseln noch rasch die Bremsbeläge wo nötig und kontrollieren den Luftdruck. Kurzes Pedalieren, dann heißt es mal wieder tragen und mal wieder die 3.000er Marke hinter sich lassen. Wir steigen bis zum Gipfel auf. Außer uns nur eine Truppe jungebliebener Damen, denen wir beim Gipfelfoto assistieren. Sonst lediglich Aussicht.

Der Trail führt erst steil in ein Hochtal, dann gemächlich über Kuhweiden längs des Baches. Um zum Talort zu kommen, müssen wir jetzt noch den Berg auf einem Höhenweg halb umrunden. Dieser Pfad ist kaum begangen und entsprechend schmal, so dass vor allem ich ordentlich gefordert bin, trittsicher mit dem Rad auf den Schultern zu gehen. Dank der mentalen und physischen Unterstützung meiner Vereinskollegen gelingt mir das. Die Abfahrt stellt sich dann als abenteuerlich heraus, da diese ebenso wenig begangen ist, wie die Querung. Dank GPS sowie unserer späherischen Fähigkeiten finden wir den Pfad und folgen diesem sicher ins Tal. Kurz vor dem Ende müssen wir noch eine Herde Kühe durchqueren.

Im Ort wartet wieder unsere beiden zuverlässigsten Vereinsmitglieder: Crafter und Fahrer Peter. Beide bringen uns, die Bikes und unsere Taschen wieder sicher in die Heimat. Italien über 3.000 – immer eine Reise wert.