Im Königreich der Berge

Die Vorbereitungen laufen bereits seit Wochen, wir haben alles geplant und an fast alles gedacht. Samstag um 6 Uhr geht es los in die Schweiz. Die Vorfreude ist trotz der frühen Morgenstunden enorm.

Entgegen der „bekannten“ Berge ist uns die Region rund um das Matterhorn noch völlig unbekannt. Das wird sich schnell ändern und so parken wir gegen 13 Uhr in Täsch und machen uns ohne Auto, beladen nur mit einer Tasche und unseren Bikes auf ins autofreie Zermatt. Der Shuttlezug ist fast leer an diesem leicht verregneten Samstag. Die Bergwelt liegt noch in den Wolken als wir uns ein Elektro-Taxi fürs Gepäck nehmen. Die Unterkunft am oberen Dorfende ist genial gelegen. Matterhornblick inklusive! (aber das wissen wir noch nicht).

Nach selbst gekochter Pasta Bolognese und einem Vino stimmen wir uns auf den nächsten Tag ein. Rucksack packen, Trails absprechen und zur Einstimmung noch ein Bikevideo vorm schlafengehen.

Der nächste Tag beginnt früh – mit Kaffee, Müsli, Banane und Kiwi. Und natürlich unserem selbst gemachten Brotzeitbeutel für unterwegs. Die erste Gondel ist unser! Noch komplett in den Wolken, die Sicht ist gleich null und es ist etwas unheimlich 25 Minuten im Nebel durch die Berge zu gondeln. Kalt ist es auch, nur knapp über 0 Grad.

Der erste Trail wird spannend, hochalpin und mit wenig Ausblick. Doch die Wolken verziehen sich schnell und wir sind tief beeindruckt. Dagegen kommt auch der erste und gleich zweite Platten nicht an!

Der Trail fordert uns zum ersten mal, ganz schön anstrengend und wir sind gut beschäftigt. Mittagspause dann an der Unterkunft. Als wäre es geplant verschwinden die Wolken und geben den Blick auf das Matterhorn frei, einfach unbeschreiblich.

Wir haben aber noch etwas vor, also geht es weiter. Wieder hinauf und ab auf die Trails, dann wird das erste mal richtig bergauf gekurbelt und wenig später das Bike geschultert. Dabei aber immer mit wahnsinns Bergpanorama. Der Höhenweg und die anschließende Abfahrt zur Berghütte sind gigantisch, enge Wege in hochalpiner Landschaft. Dann kurz vor der Hütte steil und von Spitzkehren durchsetzt. Nach zünftiger Einkehr und einer einheimischen alkoholhaltigen Spezialität geht es durch die Schlucht hinab in den Ort. Abenprogramm: einkaufen, gemütlich grillen im Garten, Bierchen und die Bilder des Tages anschauen.

Ein neuer Tag, auch dieser beginnt früh.

Bereits um kurz vor 8 Uhr sitzen wir in der Zahnradbahn. Es ist kalt, teils noch Frost auf der Fahrt ganz nach oben. Die Sonne hat dann aber schon kraft und so bleiben unsere Bedenken unbegründet. Auf dem Grat dann der gigantische Blick auf die Gletscher. Da wollen wir hin. Also gesagt getan, Abstieg und dann auf dem Panoramatrail zum Gletscher. Wir haben alle ein Grinsen im Gesicht, ein riesiger Abenteuerspielplatz.

Die Berglandschaft in der wir uns bewegen ist gigantisch. Immer mehr fahrbare Trails tun sich auf und wir beginnen zu experimentieren, einen Grat dort, ein noch unbekannter Trail hier. Alles total faszinierende Orte an denen wir als Biker herzlich willkommen sind, meinst sind die wenigen Wanderer total verblüfft in solchen Regionen auf Radlfahrer zu treffen.

Wir verabschieden uns von Zermatt mit unserem ersten Trail. Am Abend erkunden wir das Nachtleben und genehmigen uns ein, zwei Bierchen 😉

Denn am nächsten Tag ist unser „Pausentag“. Heißt: packen, mit schwerem Gepäck auf dem Rad nach Täsch rollen, die unfassbar teure Tiefgarage bezahlen und mit dem Auto dem Rhonetal entgegen. Dort geht es direkt an den nahegelegenen See und die Erfrischung bei über 30 Grad haben wir uns vierdient.

Nach einer kurzen Nacht geht es früh hinauf ins Skigebiet, erst mit der Schienenkabine, dann mit der Umlaufgondel und zuletzt noch mit der Seilbahn. Dabei lernen wir einen sehr netten Schweizer kennen, der die selbe Route wie wir fahren will. Unsere Gruppe hat sich somit kurzerhand vergrößert, wir haben viel zu lachen. Der Trail führt uns über welliges, hochalpines Gelände vorbei an Hütten und Bergseen. Die Restschneefelder sind eine willkommene Abkühlung bei dem heißen Wetter. Am Speichersee haben wir schon einige Kilometer Trail hinter uns aber es hört noch lange nicht auf. Durch eine Schlucht führt uns ein Tunnel am Steilhang entlang, der Trail endet erst nach einer langen Fahrt durch Weinberge und Waalwege. Im Tal angekommen gönnen wir uns ein kaltes Bier und wunderschöner Altstadtkulisse.

Peters Geburtstag! Wir nehmen den ersten Postbus, der dank Vorreservierung bereits mit großem Radlanhänger auf uns wartet. Es geht über eine enge Straße und unzählige Serpentinen hinauf. Knapp eine Stunde Fahrzeit. Der erste Trail am frühen morgen ist gut präpariert, hier waren Wegebauer unterwegs und haben den einst schmalen Pfad zum breiteren Wanderweg ausgebaut, macht aber nichts, der Trail ist schnell und wir begegnen so früh noch keinen Wanderern. Eine Gondelfahrt bringt uns dem Tagesziel näher. Aber dennoch gilt es fast 1000hm aus eigener Kraft zu treten und zu tragen. Die Hüttenankunft ist dafür umso schöner, der Blick auf den Mont Blanc ist überwältigend. Hier bleiben wir für eine ausgiebige Pause. Peter spendiert an seinem Ehrentag eine Runde und wir liegen glücklich in der Sonne auf 3000m.

Die Abfahrt ist sportlich, rutschig und steil. Wir queren ein total idyllisch gelegenes Hochtal. Der untere Abschnitt des Trails hat durch Erosion stark gelitten, es ist staubtrocken aber wir können uns gut vorstellen, dass der Trail bei Regen schnell zum Bach werden kann.

Der letzte Tag bricht an, wieder früh aber das sind wir bereits gewohnt. Das Aufstehen geht noch aber die Muskeln sind doch schon gezeichnet von den Vortagen. Diesmal fahren wir erst Auto, dann um den Berg herum mit dem Rad und nehmen die wohl kleinste Seilbahn der Schweiz. Die Räder hängen unten Kopf über, wir fragen uns ob wohl alles gut geht? Ist es dann, denn es gilt noch einige Höhenmeter zu erklimmen. Der dann frei werdende Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge entschädigt für die Qualen bergauf. Der erste Trail ist eher flach aber durch die groben Steinblöcke nicht ganz einfach zu fahren.