Die Freeride Factory ist viel unterwegs. Klar, wir wollen die besten Trails in den schönsten Gegenden unter die Reifen nehmen. Diesmal verschlug es zwei Mitglieder – Björn und mich (Katrin) – mehrer tausend Kilometer weit Richtung Westen über den großen Teich nach Amerika. Genauer gesagt in die USA. Dort erkundeten sie mit Bikes und Wohnmobil (oder auch RV, wie der Amerikaner sagt) die besten Trailspots in Kalifornien.
Dabei durfte Downieville natürlich nicht fehlen. Ein – man darf es ruhig so nennen – Kaff in den Bergen der Sierra. Ca. 250 Einwohner. Der nächst größere Ort, der auch über einen Starbucks verfügt, 45 Meilen Bergstraße weit weg. Hier muss man noch wissen, dass das Vorhandensein von Starbucks einen Ort zu einem Ort der modernen Zivilisation adelt.
Aber im Internet wird Downieville als Moab Kaliforniens gehandelt. Singeltracks.com führt den Ort unter den Top 3 der Mountainbikegebiete Kaliforniens. Und sogar das Bike Magazin listet Downieville als Top Spot in den USA auf (gut, ob das jetzt ein Qualitätsmerkmal ist? Diese Einschätzung überlasse ich mal dem Leser.).
In jedem Fall entschieden wir uns, dort Halt zu machen. Nach 600 Meilen und 9h auf dem Freeway- wir kamen gerade von Las Vegas – erreichten wir Downieville endlich am späten Nachmittag. Unser erster Besuch führte uns zu beiden ortsansässigen Bikeshops und Shuttleanbietern Downieville Outfitters und Yuba Expeditions. Dort haben wir Kartenmaterial und viele Tipps für Touren erhalten. Es ist zwar schon Juni, dennoch liegen die Traileinstiege auf ca. 2200müNN noch unter Schnee. Daher waren die Tipps der Locals umso wertvoller. Wir entschieden uns für einen schönen Loop mit Anfangs- und Endpunkt in Downieville für den nächsten Tag und eine Shuttletour für Tag 2.

 

 

 

 

Los ging es dann morgens um 9 Uhr zu unserem Loop. Vom Ortskern geht es in Richtung Norden auf der Fireroad, die unseren Forststraßen entsprechen, von der dann der erste Trailabschnitt Second Divide abzweigt. Dieser wird sowohl uphill als auch downhill gefahren – Obacht ob von oben kommender Biker ist also angesagt. Der Second Divide ist ein für Kalifornien typischer Mountainbiketrail: er schlängelt sich permanent bergauf. Die Steigung ist so, dass man sie gerade noch bergauf treten kann. Immer wieder gibt es jedoch auch Passagen, bei denen auch der stärkere Biker absteigen und schieben muss. Typisch für Kalifornien ist der Trail aus meiner Sicht deshalb, da die Jungs dort einfach mega viel Trail bergauf fahren. Wenn man das auf ein paar Touren gemacht hat, kommt einem Forstweg bergauf wie Lift fahren vor. Der Second Divide geht in den Third und dieser in den First Divide über. Diese beiden Trails führen dann aber flott bergab. Der Loop war ein toller, aber auch sehr anstrengender Auftakt für uns in Downieville. Wir freuen uns auf den nächsten Tag: Shuttle!

 

 

 

 

Am zweiten Tag steht nun also der Shuttle an. Bewaffnet mit Infos und Karte stehen wir um 11.30 Uhr bei Yuba Expeditions. Unser Gefährt: ein Van von Ford mit Fahrradträgern auf dem Dach, dem Heck und der Front. Richtig gelesen: auch vorne vor dem Kühler finden drei Bikes auf einem Radträger Platz.
Nachdem alle Bikes aufgeladen sind, fahren wir ca. 45 Minuten bergauf. Es geht von 960müNN auf ca. 2200müNN auf den Packer Saddle. Auf Grund des vielen Schneefalls müssen wir nach dem Abladen noch ca. 2 Meilen über den Schnee schieben und fahren. Dann steht unserer Trailabfahrt aber nichts mehr im Wege. Start bildet der Butcher Ranch Trail. Hier oben stehen die Bäume nicht so dicht wie im Tal. Man kann weit gucken, Felsen treten an die Oberfläche, Wiesen liegen zwischen den Bäumen. Es sieht aus wie in Kanada. Ober zumindest so, wie ich es mir in Kanada vorstelle. Der Trail führt mitten durch diese Wunderlandschaft. Immer wieder verläuft er auch direkt im felsigen Bachbett. Er bietet alles, was man sich von einem Trail wünscht: flowige, schnelle Passagen, Steinfelder, weiter Blick und knackige Spitzkehren. Technisch und schnell geht es über Felsen und Waldboden Richtung Tal. Hier sind die Knieschoner schon angebracht. Den Loop am Tag davor konnte man noch locker ohne Schutzkleidung fahren.
Vom Butcher Ranch geht es in den schon bekannten Third Divide. Schnell geht es durch die Redwoods auf einem schönen Waldtrail bergab. Technisch gesehen ist er eher einfach, ab und an gibt es ein paar Wurzel- oder Steinpassagen. Dafür kann man die Bremse offen lassen. Third Divide endet wieder an der Fireroad. Dieser folgt man dann ca. 1 Meile und biegt auf das Schlussstück den First Divide an. Dieser Trail bewegt sich mit wenig Gefälle am Fluß. Ca. 50 m über dem Yuba River verläuft dieser direkt am Fels: links geht es steil bergauf, rechts 50m steil hinunter ins Wasser. Im unteren Bereich verlässt der Trail diese direkte Wasserlage und führt schön schnell durch den Wald wieder in den Ort zurück. Unten angekommen folgt der Blick auf den Tacho: 24km Singletrail bergab. Das kann sich sehen lassen.
Wir verstehen nun, warum es Downieville auf die Bestenlisten und in die Magazine schafft. Alleine die Shuttletour vom Packer Saddle ist schon der Hammer. Aber Downieville verfügt noch über unzählige weitere Trailkilometer, die uns leider auf Grund des Schnees verwehrt bleiben. Aber halb so wild, haben wir doch so einen Grund wiederzukommen 🙂

 

Noch ein paar Hinweise:
Wer in Downieville in einem Zimmer übernachten möchte, der sollte frühzeitig reservieren. Es gibt viele wirklich schöne Unterkünfte, teilweise mit direktem Zugang zum Yuba River. Jedoch sind diese abgezählt.
Außerdem sollte man sich vorher mit allen gewünschten und benötigten Lebensmittel eindecken. Bis zum nächsten richtigen Supermarkt in Grass Valley sind es wirklich 1,5h Autofahrt – einfach.
Wenn man campen möchte, kann man das auf den zahlreichen, jedoch sehr einfach eingerichteten Campgrounds des Lake Tahoe National Forest tun. Hierfür ist ein Permit notwendig. Feste Stellplätze gibt es nicht, wer da ist, ist da. Dann gibt es noch den Willow Creek Campingplatz ca. 30 Minuten Autofahrt von Downieville entfernt. Dieser bietet ein richtiges Sanitärgebäude mit schönen warmen Duschen. Allerdings liegt er sehr dunkel am Talboden.
Shuttles können unkompliziert am Vortag bei Yuba Expeditions und Downieville Outfitters gebucht werden. Beide fahren im Stundentakt hoch. Kostenpunkt: 20$ / Person.

 

    

 

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