Achtung – Trackabweichung! Alpenüberquerung der Freeridefactory

Auf der Bucketlist fast jeden Moutainbiker steht die Alpenüberquerung. Auch wir von der Freeridefactory sind da nicht anders.

 

Alpenüberquerung – auf der Bucketlist fast jeden Moutainbikers. In diesem Jahr wollen auch wir von der Freeridefactory dieses Abenteuer angehen. Für mich ist es Nummer 3 – jedoch zum ersten Mal komplett selber organisiert und geplant. Schon im Februar trifft sich das Kernteam zum ersten Mal, um Termin und grobe Route festzulegen. Start Landeck, Ziel Riva del Garda. Ca. 2000+ Höhenmeter / Tag an 6 Etappen plus 1 Ruhetag.

Dem Kernteam schließen sich noch 2 weitere Vereinskollegen an und so sind wir zu fünft:

Thoso, der Navigator

Thomas, durch und durch Optimist und unser Schrauber

Kruno, der Tourist

Roland, unsere Vorhut, Hotelfinder und Waschmaschinenorganisator

Katrin, das Duracelhäschen, bei dem noch keiner den Aus-Knopf gefunden hat.

Die Hotels buchen wir schon im März – vier Monate vor Abfahrt. Aber in einigen Regionen wie dem Vinschgau ist es schon schwer, noch Zimmer zu finden.

Wie immer rast die Zeit dann plötzlich doch schnell dahin und so steht der Abfahrtstag an: in zwei Autos fahren wir nach Landeck, von wo aus unsere Tour startet.

Tag 1: Landeck – Val d’Uina – Glurns

Wir frühstücken um 7 Uhr. Alle sind freudig gespannt, einzig die dicken Wolken und andauernder Regen lassen uns eher verkniffen lächeln. Noch ein letzter Check, ob wirklich alles am Fahrrad ist, was ans Fahrrad soll, Flaschen gefüllt und Rucksäcke geschlossen sind, geht es los. Wir fahren Richtung Reschen und biegen kurz vor dem Pass gen St. Moritz ab. Unser Ziel ist die Uina-Röhre. Zum Glück lässt der Regen schnell nach und wir können unsere Regensachen einpacken. Schon an unserer ersten Mittagsrast treffen wir andere Alpencrosser, die bereits den ersten Platten flicken müssen. Wir laden unsere Energiespeicher auf und machen uns an den Anstieg zur Uina-Röhre. Ca. 1 Stunde dauert es bis zur letzten Einkehrmöglichkeit vor der Schiebestelle. Noch eine schnelle Cola und los geht es. Die Röhre wurde vom DAV gebaut, um die damals dort befindliche Pforzheimer Hütte zu erreichen. Die Hütte gibt es mittlerweile nicht mehr, dafür jedoch die Sesvennahütte und die Röhre, die schon wirklich zu einem Touristenmagnet für Wanderer und Biker zählt. Unser Tagesziel ist Glurns, welches wir gegen frühen Abend wohlbehalten erreichen. Unsere Bikes finden Unterschlupf in der Garage des Hotels, unsere Sachen kommen für 4 Euro in die Waschmaschine und wir sitzen frisch geduscht beim Abendessen.

Tag 2: Glurns – Sulten – Madritschjoch – Martelltal – Goldrain – Kastelbell

Aufstehen, Frühstücken um 7 Uhr, Sachen packen, Bikes checken, Garmin an und los. Das wichtigste: Folge dem Track! Und dieser führt uns heute zum Madritschjoch. Die zweite Etappe ist eine reine „Spaßetappe“, denn sie bringt uns Riva nicht wirklich viel näher. Wir fahren von Glurns über Sulten zur Talstation vom Madritschjoch. 700 Höhenmeter lassen wir uns per Gondel nach oben bringen, die letzten 600 Höhenmeter müssen wir dann noch bis zum Joch schieben. Oben angekommen genießen wir die Aussicht nur kurz, da ein starker Wind weht, der die Temperaturen auch auf ca. 10 Grad drückt. Und so machen wir uns auf den Weg ins Martelltal. Der Trail führt uns zügig zunächst durch Schotterfelder hinab, die Landschaft wird immer grüner und lieblicher, bis wir wieder über satte Almen rauschen. Vorbei am Zufrittsee nehmen wir die letzten Meter zur Etsch unter die Reifen. Unser geplanter Stopp im Café Vis-à-Vis fällt leider aus – Ruhetag am Sonntag! – aber an der Bahn nach St. Martin bekommen wir zum Glück doch noch ein kaltes Getränk. Unsere Unterkunft bietet uns dann auch noch Entspannung am Pool – ein perfekter Tag.

Tag 3: Kastelbell – Latscher Alm – Tarscher Alm – Tarscher Pass – St. Nikolaus

Wieder mal um 7 Uhr sitzen wir im Speiseraum beim Frühstück. Unsere Gastgeberin hat extra für uns eine halbe Stunde früher alles hergerichtet. Aus meiner Sicht das beste Frühstück auf der gesamten Tour. Heute steht unsere Angstetappe an: über 2000HM auf nur 28km. Über Latscher Alm zur Tarscher Alm und dann hoch zum Tarscher Pass. Bis zur Tarscher Alm führt ein mäßig steiler Forstweg hoch. Auf der LAtscher Alm stärken wir uns noch mit Kaiserschmarrn und Flädlesuppe, bevor es dann ab der Tarscher Alm heißt: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt. Und zwar ganze 600 HM. Als Belohnung ein super Ausblick ins Vinschgau und eine tolle Trailabfahrt ins Ultental. Im Hotel erwartet uns schon Roland, der nicht nur unser Abendessen, sondern auch die Waschmaschine klar gemacht hat. Hungrig wie wir sind räubern wir das gesamte Buffet und fallen müde, aber zufrieden in unsere Betten im 5-Personen-Familienzimmer.

Tag 4: St. Nikolaus – Rabijoch – Malé – Dimaro – Madonna di Campiglio

War das Abendessen schon lecker, so kann das Frühstück ebenso mithalten. Wir bemühen uns, den anderen Gästen noch etwas am Buffet über zu lassen und machen uns auf den Weg. Rucksack packen, Flaschen füllen und GPS anstecken gehören längst zur Routine. Auf dem Plan heute steht das Rabijoch an. Die erste Pause machen wir an der Kirchbergalm. Dort treffen wir auf eine Gruppe Passauer Alpencrosser, die mit superleichten Leftys unterwegs sind. Klar, dass sie schneller sind als wir: die müssen ja auch nur 9kg über den Berg treten J

Das Rabijoch kann bis auf die letzten 200-300HM komplett getreten werden. Der Blick zurück ins Ultental zeigt uns, was wir schon wieder an Höhe zurückgelegt haben. Am Joch machen wir noch jeder ein schönes Gipfelfoto und freuen uns auf die Hütte. Dort treffen wir die Passauer Jungs wieder, die schon beim Cappuccino sitzen. Für uns gibt es jetzt erstmal Minestrone. Wir genießen die Aussicht ins Rabital, die Sonne und die Stärkung. Die Passauer genießen unsere Dämpferpumpe – dafür war wohl kein Platz mehr in den gewichtsoptimierten Rücksäcken.

Die Abfahrt über Trail läuft flüssig dahin – bis ein lautes Platzen und Zischen mir sagt, dass etwas schief gelaufen sein muss. Mein Reifen ist platt und der Mantel auf ca. 3 cm aufgeschlitzt. Einen Ersatzmantel haben wir natürlich nicht dabei – zum Glück aber Flickzeug. Von Innen den größten Flicken auf den Schlitz, neuen Schlauch rein und hoffen, dass wir bis zum nächsten Radlladen kommen. Der ist 17km und 1600HM weiter unten in Malé. Schwitzend komme ich unten an. Ein letzter Stresstest: im Laden gibt es haufenweise 27.5er und 26er (ja, 26er!) Mäntel – aber kaum 29er. Zum Glück zaubert der Mitarbeite noch einen aus einem Karton und zieht diesen auch rasch auf (leider falschrum, wie wir später merken).

Nun stehen den letzten 1000HM zu unserer Unterkunft nach Madonna di Campiglio nichts mehr entgegen. Im Lichte der Abendsonne erreichen wir unsere Unterkunft. Schnell duschen, umziehen und los in die Pizzeria im Ortskern. Wen treffen wir dort? Unsere Leftytruppe aus Passau. Angesichts der Anstrengungen des Tages verschlägt es uns früh ins Bett.

Tag 5: Madonna di Campiglio – Lago d’Idro

Unser heutiges Ziel ist nicht Riva, was durchaus in Reichweite liegt, sondern der Lago d’Idro. Unser Weg führt uns über den Lago di Val’Agola in Richtung Süden. Am Joch treffen wir bekannte Gesichter – unsere Passauer Freunde müssen mal wieder einen Platten flicken. Wir nutzen die Chance zu einem Plausch und einem Gruppenfoto, bevor es weiter geht. Heute machen uns weniger die Höhenmeter, als die Hitze (mehr als 30 Grad) zu schaffen. Es fällt uns schwer, den Schatten der Sonnenschirme unserer Mittagseinkehr zu verlassen. Aber es hilft nichts, wir müssen weiter. Wir legen die letzten Kilometer auf einem schönen Radweg zurück, der uns direkt ans Ufer und damit ans kühle Wasser des Idrosees führt. Ein Bad versteht sich von selbst. Wir beziehen unsere Unterkunft, die diesmal aus einem Hostel besteht. Nach dem Duschen, was diesmal etwas länger dauert, da wir uns nicht nur alle ein Zimmer, sondern auch ein Bad teilen, gehen wir in die Pizzeria des benachbarten Campingplatzes. Noch ein kleiner Schlummertrunk in der Strandbar und ab geht es ins Bett.

Tag 6: „Ruhetag“

Heute steht ein Ruhetag am Idrosee auf dem Programm. Nach dem Frühstück zerstreut sich die Gruppe: ein Teil legt sich wieder ins Bett, ein Teil erkundet die nähere Umgebung zu Fuß und ein dritter kann nicht genug vom Biken kommen und lockert die Waden auf einer kurzen und knackigen 1600HM und 45km Runde. Nachmittags gehen wir noch Baden, liegen faul im Schatten und schauen die Tour de France.

Tag 7: Lago d’Idro – Riva del Garda

Finale – die letzte Etappe: über den Tremalzo und Passo Nota geht es endlich nach Riva. Das Wetter ist wie seit unserer Abfahrt im Inntal wieder hervorragend. Wir genießen die letzten Meter, das Wetter, den Spaß in der Gruppe. Wie immer zwitschern wir diverse Lieder auf dem Fahrrad, scherzen und achten natürlich darauf, den Track nicht zu verlassen. Am Nachmittag erreichen wir die Ponale und rollen dem See entgegen. Roland erwartet uns schon in der Sailing Bar, wo wir auf das Erreichte mit Aperol Spritz anstoßen.

Wir haben noch 1 ganzen Tag in Riva, an dem wir einen kleinen Ausflug zum Lago di Tenno und nach Torbole machen. Wir kommen uns ein wenig komisch vor unter all den Badetouristen und nach so langer Zeit in den Bergen, auf Hütten und in kleinen Hotels. Auf der Heimfahrt nach München hänge ich meinen Gedanken nach. Auch wenn dies nicht meine erste Alpenüberquerung war, so war es ein besonderes Erlebnis. Zum ersten Mal habe ich die Tour selber geplant, habe alle Hotels selber ausgesucht, habe mein Gepäck für die gesamte Woche selber geschleppt. Am ersten Tag habe ich noch zu Thomas gesagt, dass ich am Ende der Tour eine selbst geplante Transalp entweder hassen oder lieben werde. Ich liebe es. Und eines ist sicher: nächstes Jahr wieder!